Gewerbegebiet Hainburg – die Not mit der Notdurft

Kackhaufen

(Hainburg – NÖ) Entgegen dem überwiegenden Anteil der an den Rändern der Städte angesiedelten Gewerbegebiete, auch Einkaufszentren genannt, hat sich im Westteil der Stadt Hainburg an der Donau die Entwicklung anders vollzogen. Grundstücke wurden einzeln verkauft und über die Jahre hindurch haben sich Betriebe, vornehmlich Supermärkte, angesiedelt. Lokal ein durchaus passender Vergleich, das EKZ der ecoplus Wirtschaftspark Bruck/Leitha. Dort wurde ein Gewerbe- und Industriegebiet unter vorheriger Konzeption geschaffen, das selbstverständlich auch Toilettanlagen für Besucher = Konsumenten beinhaltet, inkl. Wickelraum und Behindertentoilette. In Hainburg waren es einzelne Märkte, die schrittweise am Stadtrand ihre Pforten öffneten. Für jedes Unternehmen war ein Betriebsanlagenbewilligungsverfahren durch die Gewerbebehörde, der Bezirkshauptmannschaft Bruck an der Leitha, abzuwickeln. In dieser Form bleibt die Notwendigkeit der Errichtung von Sanitäranlagen unberücksichtigt. Dies hat zur Folge, daß zwar auf dem Gewerbegebiet von Hainburg ein HOFER, BILLA, KIK, SPAR, BIPA und ein Wettkaffeehaus errichtet wurde, aber für die Tausenden täglich an- und abfahrenden Besucher kein WC zur Verfügung steht.

10:03: ein Mann verrichtet seine Notdurft hinter den Supermärkten10:03: ein Mann verrichtet seine Notdurft hinter den Supermärkten

Während eines Aufenthaltes auf diesem Areal im Sommer bemerkten wir, daß offenkundig an einigen Stellen, die sich allesamt auf der Rückseite der Supermärkte befinden, Menschen ihre Notdurft verrichten. Diese speziellen Stellen, die sich durch Fäkalien inkl. Körperreinigungspapier ausweisen, sind hinter dem SPAR, dem BILLA/BIPA (beide gehören der REWE Group Austria), KIK und HOFER eindeutig zu benennen. Wir führten einen Lokalaugenschein durch, und konnten beispielsweise an einem Tag innerhalb von 4 Minuten nur wenige Meter von unserem Standort entfernt, ein Kind und einen Mann ihre Notdurft hinter dem SPAR verrichtend beobachten. An einem anderen Tag, diesmal innerhalb einer Zeitspanne von nur 2 Minuten, waren es dann ein Mann und eine Frau. Letztgenannte, mit Taschentuch in der Hand, machten wir allerdings bereits am Standort des Freiluft-WC´s auf das Wettcafe aufmerksam, das über eine Toilette verfügt.

Eine Minute zuvor, um 10:02 haben wir der Frau empfohlen das ums Eck befindliche Wettkaffeehaus aufzusuchenEine Minute zuvor, um 10:02 haben wir der Frau empfohlen das ums Eck befindliche Wettkaffeehaus aufzusuchen

Mit einem Angestellten des Wettcafes führten wir dann ein Gespräch, in dem uns mitgeteilt wurde, daß täglich bis zu 17 Personen nachfragen, ob sie die Klo benützen dürfen. Der Dienstnehmer wies allerdings auch auf die Problematik mit den Kindern hin, da der Zutritt für Personen unter 18 Jahren behördlich verboten ist. Kinder dürfe man nicht hereinlassen.

Im nächsten Schritt erkundigten wir uns im Rathaus von Hainburg, wie es sich aus der Sicht der Stadtverwaltung mit diesem Manko darstellen würde. Die Antwort auch nachvollziehbar: Grundsätzlich haben sich dort Unternehmen angesiedelt und es handelt sich um deren Kunden – die Finanzsituation, in der sich die Kommune befindet, läßt auch keine Spielräume zu, in denen auf Kosten der öffentlichen Hand dort WC-Anlagen errichtet und betreut werden können. (red. Anm.: Das klappt nicht einmal im Stadtzentrum – siehe Reportage)

Das Freiluftklo parallel zur Asphaltstraße beim Grünstreifen hinter dem Gebäude, das BILLA, BIPA, KIK und das Wettbüro beherbergt. Auf der Stirnseite, das Gebäude vom SPAR mit "Eckklo"Das Freiluftklo parallel zur Asphaltstraße beim Grünstreifen hinter dem Gebäude, das BILLA, BIPA, KIK und das Wettbüro beherbergt. Auf der Stirnseite, das Gebäude vom SPAR mit „Eckklo“

Die Kundenfrequenz bei den Märkten ist als hervorragend zu bezeichnen, Erweiterungen und Neuerrichtungen bezeugen auch den daraus entstandenen Expansionsdrang, ebenso der regelrechte Ansturm, den die Einführung des Euro per 1.1.09 in der benachbarten Slowakei ausgelöst hat, weil die Preise in Österreich nun niedriger als im angrenzenden Staat sind. Wir haben den Weg auf uns genommen und mit den Filialleitungen von SPAR, BILLA, BIPA und HOFER gesprochen. Das Ergebnis mehr als dürftig; Rückmeldungen nur von SPAR und HOFER und im Endeffekt ohne Resultat. Niemand sieht sich verantwortlich – einer weist auf den anderen.

Ein anderer Tag 14:37: auch dieser Knabe kommt von der Erleichterung zurückEin anderer Tag 14:37: auch dieser Knabe kommt von der Erleichterung zurück

Wir ersuchten die Stadträtin für Wirtschaft, Tourismus und Infrastruktur, Frau Michaela GANSTERER (ÖVP), zu einem Interview und erläuterten den Sachverhalt inkl. der Reaktionen der Konzerne. Frau GANSTERER leitete mit dem Hinweis ein, daß die Betriebe „für uns gut und wichtig“ sind und Arbeitsplätze schaffen, aber betonte, daß die Problematik der WC´s besteht und ihr nicht fremd ist.

4 Minuten später, um 14:41 ein weiteres Opfer einer Fehlplanung, die sanitäre Notwendigkeiten außer Acht ließ4 Minuten später, um 14:41 ein weiteres Opfer einer Fehlplanung, die sanitäre Notwendigkeiten außer Acht ließ

In Anbetracht dessen, daß wir in Kenntnis darüber sind, daß die Politikerin als vormalige Bundesrätin über Kontakte und Verbindungen verfügt, die es ihr ermöglichen, politisch auf den Kern der Ursache in einschlägigen Gremien einzugehen, ersuchten wir sie betreffend der gewerbebehördlichen Gesetze innerhalb ihrer Möglichkeiten auf folgendes hinzuweisen:

Eine Änderung der Gewerbeordnung für Betriebsanlagenbewilligungsverfahren, die von Haus aus der zwingend erforderlichen Errichtung von Toilettanlagen für künftige Projekte Rechnung tragen. Supermärkte bieten heute kontinuierlich Konsumgüter an, die dem Hochpreissegment zuzuordnen sind. Es kann doch nicht zuviel verlangt sein, daß die Verrichtung einer Notdurft, von der keineswegs nur diese Märkte betroffen sind, von der Willkür eines Dienstnehmers unabhängig gemacht wird. Denn real wird Kunden in ein und demselben Supermarkt, quasi inoffiziell, einmal erlaubt, das Klosett zu benutzen, und ein anderes Mal nicht. Wenn Konzerne von sich aus schon nicht gewillt sind diesen Grundbedürfnissen menschlicher Notwendigkeiten nachzukommen, dann sollte der Gesetzgeber die Verpflichtung dazu zwingend vorschreiben. Frau GANSTERER bekundete im Juli sich der Thematik annehmen zu wollen.

Auch dieser Bereich hinter dem HOFER-Markt ist ein Bereich des "Freiluft-WC´s"Auch dieser Bereich hinter dem HOFER-Markt ist ein Bereich des „Freiluft-WC´s“

Zum Standort Hainburg/D.: es kommen täglich tausende Menschen mit eigenen Fahrzeugen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Bussen bis hin mit dem Fahrrad um dort einzukaufen. Das heißt, sie nehmen auch schon mal einen Zeitaufwand von Stunden in Kauf.

Aus redaktioneller Sicht haben wir versucht, in unserem Rahmen der Möglichkeiten Verständnis bei den Konzernen für diesen Mißstand zu finden, und an die Menschlichkeit appelliert. Der Sommer ist vergangen und es ist kein WC errichtet worden. Kackhaufen mit Firmenlogo machen kein gutes Bild und tragen sicherlich nicht zum Ansehen des Images von SPAR, BILLA, BIPA, KIK und HOFER bei, wetten :o)

Die öffentliche WC-Anlage beim HOFER – Fallbeispiel 1

Freiluft-WC für Kunden der HOFER KG

Diese Spuren einer körperlichen Erleichterung hat ein Kunde der HOFER-Filiale im Gewerbegebiet von Hainburg/D. am 12.1.2010 um 16:13 Uhr hinterlassen. Dabei nahm er eine Stelle auf der Rückseite des HOFERS in Anspruch, die bereits offensichtlich zuvor von anderen Besuchern der Einkaufsmärkte für die gleiche Vornahme verwendet wurde.

Wie wir grundsätzlich feststellen konnten, nimmt proportional zur Schneelage auch das Schamgefühl der Menschen mit dringenden Bedürfnissen ab. Jeder Interessierte kann sich bei solchen Winterverhältnissen im Zuge eines Spazierganges hinter BILLA, BIPA und KIK selbst ein Bild machen.

männliche Kunden des HOFER entleeren sich vornämlich in diesem Bereich an der Rückseite des Supermarktes im Gewerbegebietmännliche Kunden des HOFER entleeren sich vornämlich in diesem Bereich an der Rückseite des Supermarktes im Gewerbegebiet

Die öffentliche WC-Anlage beim BILLA – Fallbeispiel 1

Freiluft-WC für Kunden der BILLA AGFreiluft-WC für Kunden der BILLA AG

Diese Spuren einer körperlichen Erleichterung hat ein Kunde der BILLA-Filiale im Gewerbegebiet von Hainburg/D. am 26.1.2010 um 10:46 Uhr hinterlassen. Dabei nahm er eine Stelle auf der Rückseite des BILLA in Anspruch. Hintergründe zu dieser Veröffentlichung finden Sie hier.

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