Vom Blickfang zum Schandfleck – der Umgang mit Tourismus-Attraktionen in Hainburg

Palisadenwall in Hainburg - nur mehr aus der Ferne ansehlich

(Hainburg – NÖ) Aus Kilometern Entfernung sticht die wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion eines keltischen Palisadenwalls am Braunsberg jeden Menschen ins Auge, der seinen Blick in Richtung des Berges richtet, da sie auch mit Absicht genau so positioniert wurde. Wie viele Städte können sich schon rühmen auf Grund der in ihnen und ihrer Region vorgefundenen archäologischen Ausgrabungen über ein derartiges Bauwerk zu verfügen, welches in Zusammenarbeit wissenschaftlicher Gruppen aus dem In- und Ausland entstanden war?

Im April des Jahres 2001 kündigte das Informationsblatt der Stadtgemeinde Hainburg/Donau in seiner Ausgabe Nr. 182 wie folgt an:

Faksimile aus den Stadtnachrichten aus dem Jahr 2001Faksimile aus den Stadtnachrichten aus dem Jahr 2001

Der Palisadenwall am Braunsberg
Die Rekonstruktion des keltischen Palisadenwalls wird am Samstag, dem 5. Mai 2001 um 10.00 Uhr präsentiert. Vorgestellt wird dieses archäologische Projekt von Prof. Dr. O. Urban (Institut für Ur- u. Frühgeschichte, Universität Wien) am Plateau des Braunsberges. … Bei dieser Gelegenheit wird auch ein neuer „Folder“ über den Braunsberg zum Thema „Natur und Kultur“ vorgestellt. … Kulturhistorisch Wißbegierige haben die Gelegenheit, ihre Fragen an Prof. Dr. O. Urban am Freitag, 11. Mai 2001, ab 19.00 Uhr zu richten. An diesem Abend hält Prof. Urban einen Diavortrag im Pfarrheim zum Thema „Aktuelles zu den archäologischen Ausgrabungen auf dem Braunsberg“.

Einige Printmedien brachten dann auch nach der feierlichen Präsentation des Schaustückes, das auch als Aussichtsplattform Verwendung findet, Berichte mit Fotos.

In der wissenschaftlichen Abhandlung „Veränderungen der Kulturlandschaft„, dem Abschnitt 3.1. Prähistorische Zentralorte im Großraum Carnuntum, beschäftigt sich u.a. Prof. Urban unter Beifügung von Bildmaterial sehr ausführlich mit der Historie der Region bei der Eiszeit beginnend und gibt Einblicke zum Braunsberg, die nicht nur anreisende Touristen interessieren könnten.

Vermoderte Holzbalken geben Zeugnis für eine vernachlässigte Betreuung, Wartung und Pflege des ObjektesVermoderte Holzbalken geben Zeugnis für eine vernachlässigte Betreuung, Wartung und Pflege des Objektes

Ein junges Paar, das wir bei anderen Fotoaufnahmen sich „vergnügend“ aus der Ferne unter schützendem Dach wahrnahmen, haben wir es zu verdanken, daß bei einem weiteren Besuch zu einem anderen Zeitpunkt dieser aus unserer Sicht unwiderlegbare Skandal festzustellen war. Denn fassungslos standen wir vor dem Objekt und stellten uns angesichts dessen derart verwahrlosten und teilweise auch gefährlichen Zustandes die Frage, wie die beiden Liebenden hierorts überhaupt derartige Gefühle ausleben konnten? Aber wie heißt es so schön: „Gott schützt die Liebenden…“

Da war einmal ein Maschendrahtzaun ...Da war einmal ein Maschendrahtzaun …

Die Informationstafel mit der Besucher zuvor über diese Einrichtung sachdienlich informiert wurden existiert gar nicht mehr – übrig geblieben die Ständer auf der sie montiert war. Der Aufgang, respektive der Korpus des überdachten Objektes ist mit Maschenzaundraht eingewickelt gewesen – irgendwann einmal – längstens ist er niedergetreten. Holzplanken und –pfosten verrottet, angesengt, morsch – lange Nägel ragen an den möglichsten und unmöglichsten Stellen heraus, ganze Pfosten fehlen. Der Gesamtzustand dieses Geschenkes an die Stadt, das nur noch aus der Ferne als Blickfang zu werten ist und man nur hoffen kann, daß sich niemand bemühsiegt fühlt näherzutreten, verwahrlost und wahrscheinlich abbruchreif. Im Zuge der Recherchen haben wir vertraulich durch Dienstnehmer der Gemeinde erfahren, daß Teile dieses Nachbaues schon längstens am Bauhof herumliegen sollen.

Kein Vandalismus - Folgen einer Alterserscheinung eines vernachlässigten "Kulturgutes"Kein Vandalismus – Folgen einer Alterserscheinung eines vernachlässigten „Kulturgutes“

Die Stadtregierung, immerhin jetzt mittlerweile zweier Legislaturperioden (SPÖ-BLH sowie ÖVP-BLH) inkl. der Opposition muß sich die Frage gefallen lassen, ob dieser Niedergang eines derartig imposanten kulturhistorisch bedeutsamen Objektes die Entwicklung ist mit der Personen, Einrichtungen oder Organisationen zu rechnen haben, wenn sie vertrauensvoll errichtete Werke der Stadtverwaltung überantworten?

Keine Irrtümer - diese Stelle befindet sich nicht im "abgesperrten" BereichKeine Irrtümer – diese Stelle befindet sich nicht im „abgesperrten“ Bereich

Wie bedeutsam dieses Bauwerk jedoch für die an der wissenschaftlichen Konzeption beteiligten Personen war und welch Aufwand betrieben wurde, kann ansatzweise erahnt werden, wenn man sich mit der einschlägigen Literatur etwas genauer befaßt. Schon einmal zurückliegend mußten wir erschüttert wahrnehmen wie unter einem SPÖ-Bürgermeister archäologisch bedeutsame Ausgrabungen letztendlich in Säcken verstaut und „verscharrt“ wurden. Es drängt sich zwangsläufig der Verdacht auf, daß den Vertretern der Stadt die Kompetenz in einigen Belangen abzusprechen ist.

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